Donnerstag, 21. Mai 2009

Grandprix der Wiedergänger

Ein »Grandprix der Volksmusik« – soll man lachen oder weinen? Marianne und Michael, die Wiedergänger der »Musi«-Ästhetik, moder(ier)ten durch die Sendung und glänzten mit Dialogen wie: »Zwei Mannerl und zwei Weiberl, da ist für jeden Geschmack was dabei« - »Du hast es mal wieder auf den Punkt gebracht«. Auch an Kindern wurde sich wieder vergangen, denn Knirpse aus Trachtenvereinen sollten Folklore aus Ost, West, Nord und Süd vorstellen, Dialekte sprechen und niedlich aussehen. »Wir kommen aus der Lausitz und sind Sorben« - »Schöne Gegend die Lausitz« - verhaltener Applaus für Kevin und Debbie. Die Kinder mussten, ganz der heilen heteronormen Glückseligkeitsdogmatik gemäß, als Paare aus ›Buam‹ und ›Maderln‹ auftreten, so wie es Onkel Michael und Tante Marianne vormachen.

Oder Judith und Mel. Die traten nämlich als Startnummer fünf auf und er begrabbelte sie während der ganzen Nummer, dass ich schon befürchtete, die zur Decolletéblondine hochgesexte Endfünfzigerin käme mit dem Öffnen und Schließen des Mundes zum Playback, der präzise einstudierten Schunkelchoreographie und dem zur Fratze verformten Dauerlächeln ganz durcheinander. Die Outfits der beiden – entsetzlich; zeitweise verwechselte ich die Sendung mit dem parallel im Ersten laufenden Zirkusfestival. Den Goldenen Clown hätten sie von mir jedenfalls bekommen.

Die Auftritte waren so gesetzt, dass sich herkömmliche Volksmusik abwechselte mit einem vom Popschlager nicht mehr unterscheidbaren Stilmix, wie ihn als Startnummer sechs etwa die Zipflbuben bringen, eine nach 0815-Boygroup anmutende Trias aus netten Jungs, die jede Oma gern zu Enkeln hätte, und die sich nur durch eine Synthie-Akkordeonmelodie als Volksmusikanten legitimierten. Diese Zappelphilipps wurden gefolgt von Bel Amis, zwei Schlaftabletten, deren eine ein Saxofon hielt, jedoch keine Tasten bediente. Mit so wenig Playbackenthusiasmus konnte das auch gar nichts werden im Voting. Der »Kinderstar« Rico Seith sang über tausende Kaninchenaugen, die ihn verfolgten und alles klatschte und jodelte vergnügt. Die Regierung denkt sicher schon über ein Kaninchenverbot nach.

Bei der diesjährigen Heiterkeitsorgie gewannen nun die »Bergkameraden und Oswald Sattler« nach Punkten. Ein Männerchor umringte den an Lethargie nur noch von den Amigos (keine Teilnahme – außer Konkurrenz) überbotenen Sattler und ich wünschte schon, der ›Buab‹ mit dem gebirgsatmosphärisch wirkmächtigen Eispickel in der Hand schürfte dem Sattleroswald ein wenig Ausdruck in die Visage. Allerdings verschwanden die Gesichter oft in einem Effektgewitter, dass an Mini-Playback Show und Musikvideos der 80er erinnerte, und wenn es keine Videoeffekte waren, blieb immer noch die Brechreizoptik aus Glitzerfunkelrosablauplastikbergkulisse und Sternenhimmelterror.

Musikalisch soll ja jeder nach seiner Facon selig werden, aber ich bin immer hocherstaunt, dass zunehmend junge Erwachsene und Kinder sich von diesen Shows angezogen fühlen und sich an der widerlichen Aufmachung aber nichts ändert. Deutschtümelnd-päderastische Weichspülromantik, aufgemotzt mit Televotings, Teeniestars und Totalspaßfeeling, da ist mir die Drohung schon ernst, die Claudia Déchands in ihrem Liebeslied krähte: »Ich bleib ein ganzes Leben lang bei Dir«. Bitte, nicht.

Dienstag, 5. Mai 2009

Killer Flu Video Game

Gonzalo Frasca stellt auf watercoolergames.org ein witziges Online Game vor: Killer Flu. Ziel ist es, möglichst viele Leute mit einem Virus anzustecken. Es gibt auch einen H5N1 Modus.

Kiler Flu (the game) was created as an attempt to explain how flu really mutates and spreads, and how challenging it can be for a deadly strain to affect a large population geographically. The player takes the role of the flu itself, trying to mutate and then spread it in a variety of conditions.

mehr dazu unter
http://www.persuasivegames.com/games/game.aspx?game=killerflu

Donnerstag, 16. April 2009

Mein Vorschlag an die GEZ

Wenn ich fürs fernsehen Geld bekäme,

Gott, was tät ich alles schaun!

Jede noch so hohle Szene

störte die TV-Sucht kaum.


Superstars und Super Nanny,

sogar Super RTL -

alles super, was nur trendy!

Hauptsache, es brächte Geld.


Blöde Filme tät ich gucken,

Frauenboxen, Dschungelcamp,

Castingshows – ohne zu zucken;

Dirk Bach mit und ohne Hemd.


MDR, 9Live, ProSieben,

Poke-, Digi-, sonstge -mons,

Boulevardsendung um Sieben,

GZSZ auch – was sonst?


Sender, die ich dann noch schaute,

müssten mich danach bezahln,

wieviel schmerzerfüllte Laute

sie mir aus dem Munde maln.


Langeweile, Wut, Empörung

wären dann mein täglich Brot.

Gut gemacht wär bloß noch Störung,

ich würd reich durch Bildungsnot.


Endlich würde sich mal lohnen,

Lebenszeit so zu vertun.

Mit fünf Fernsehern würd ich wohnen,

simultan schaute ich nun.


Dass man jedoch für die Soße,

welche jeden Tag so läuft,

nicht ganz unerheblich große

Rundfunkzwangsgebühr anhäuft,


statt die Opfer auszuzahlen,

für den Schaden und die Pein,

für die inhumanen Qualen,

will in meinen Kopf nicht rein.


Daher, liebe Fernsehmacher,

heißgeliebte GEZ,

macht ruhig das Programm noch flacher,

und entlohnt mich – das wär nett!


Sonntag, 22. März 2009

Der Night Rider der Geisteswissenschaften

Wenn es an Ihrer Haustür klingelt, an Ihrer Bürotür klopft, luken Sie erstmal vorsichtig durch den Türspalt; klingelt ihr Telefon und zeigt eine Ihnen unbekannte Nummer an, nehmen Sie nicht ab oder warten Sie auf den Anrufbeantworter, denn: es könnte ein Ethnologe sein. Auf der immerwährenden Suche nach empirischem Material über die kulturelle Bedeutung des Naseputzens und die Auswirkungen von Gleitzeitregelungen auf das Genderverhältnis am Arbeitsplatz pirscht der Ethnologe durch den urbanen Dschungel und findet auch Sie! Dann findet er auch Ihre Freunde und Bekannten und macht aus denen erst FreundInnen und BekanntInnen und dann I.n.f.o.r.m.a.n.t.I.n.n.e.n. Was dem Junkie sein ›Schuss‹ ist dem Ethnologen sein Informant. Denn ohne Untersuchunsobjekte, die man in der Ethnologie versehentlich -subjekte nennt, ist sich der Ärmste nie ganz sicher, ob seine Thesen, sein Verstand, ja sein ganzes Studium noch irgendwie rational zu begründen sind. Daher schnürt er am frühen Abend gleich nach dem Frühstück systematisch durch sein Milieu. Eigentlich ist es gar nicht sein Milieu, aber er muss es so nennen, denn teilnehmende Beobachtung und Hineiiiiiiiiiiiiiinfühlen in das ›Subjekt‹ sind oberstes Muss, sind en vogue, sind Dogma und zugleich letzte Insel der Selbstbehauptung einer Wissenschaft, die es noch nie leicht hatte, ihr Dasein auf moralisch unbedenkliche Weise zu rechtfertigen. Solange man angebliches Insiderwissen und auf tiefer Einfühlung basierende Erkenntnis propagiert, kann einem keiner mit Verifizierung von Untersuchungsergebnissen dumm kommen. Sicherheitshalber druckt die kulturanthropologische Fachpresse regelmäßig Aufsätze ab, in denen jedweder Bezug zur objektivistischen Wissenschaft abgestritten, die subjektivistische, hermeneutische Perspektive hingegen zum Credo moderner Ethnographie erklärt wird.

Unser Ethnologe marschiert also (mit Cordjackenaufnähern wie »Glaser rulz!« und »Geertz ist geil!«) durch sein Milieu, sagen wir, Berliner Multikulti Kiez, um etwa der Frage nachzugehen, wie sich die Jugendlichen dort so fühlen. Über ihre Herkunft und die Herkunft ihrer Eltern und ihre transkulturelle Identität und über ihre subversiven Praktiken im Protest gegen die weiße Mehrheitskultur und über ihre innovativen Praktiken der Hybridisierung von Subkulturen, ihren Umgang mit Gendernormen, ihr Verständnis von Gewalt, ihr performatives Selbst, ihre Haltung zur modernen Biotechnologie, sowie ihre mnemotechnischen Strategien der Tradierung von oralkulturellem Wissen haben die gefälligst auch eine Meinung zu haben. Falls nicht, ist auch nicht schlimm, denn der Ethnologe hat im ersten Semester einen Schreibworkshop besucht und wird schon einen Weg finden, die inhaltlichen Lecks der Untersuchung, seiner Erwartung gemäß, buchstäblich abzudichten.

Doch zuerst muss der Ethnologe seine Pflichtbesuche bei den Subjekten machen und dort Interviews führen. Sonst kann er dem Vorwurf, er hätte sich all das obskure Zeug, dass er hinterher zu Papier bringt, ohne empirische Grundlage ersonnen, nichts entgegenstellen. Er hat immerhin seinen Ruf als Wissenschaftler zu verteidigen. In Interviews stellt der Ethnologe fest, ob seine Fragestellung auch möglichst weit abseits vom Alltagsleben seiner Subjekte angesiedelt ist, denn er muss schließlich die kritische Distanz wahren, was am Besten geht, wenn diese schon in der Methode integriert ist.

Pfiffig wie er ist, fängt er sich seine Informanten da wo es richtig weh tut, wo sie ungeschützt und verletzlich sind. Nein, nicht auf dem Klo, sondern in anderen Refugien der Ausgelassenheit und Erholung, zum Beispiel am Arbeitsplatz. Der Ethnologe definiert Arbeitsplatz anders als normale Menschen. Das können auch ein U-Bahnsteig und eine als Kasse fungierende umgedrehte Mütze oder der Tresen in der Eckkneipe sein. Oder – wie in unserem Fall – auf der Straße bzw. im Jugendknast. Schließlich sind dies die Orte, an denen freilaufenden Subjekte einfach einzufangen sind, falls dies nicht schon jemand vor dem Ethnologen erledigt haben sollte. Man würde ihn kaum stundenlang im eigenen Büro dulden, geschweige denn ertragen. Sie ertragen einander ja selbst kaum zwei Minuten in ihren euphemistisch ›Sprechstunden‹ genannten Zusammenkünften. Doch im (halb)öffentlichen Raum ist unser Spion im Auftrag der verkannten Schlüsselwissenschaft mit E immer auf der sicheren Seite als ein Zwitterwesen aus Gast bzw. Zuschauer einerseits und Detektiv andererseits. Er muss den Leuten nicht sagen, wer er ist und zu welchem Zweck er sich überhaupt mit ihnen abzugeben sich herablässt. Selbst, wenn er es – gemäß dem zweiten Dogma, ›Du sollst da informed consent erheischen von Deinen Schäflein!‹ - seinen Subjekten darlegt, bleibt fraglich, ob diese die volle Tragweite dieser höchst prekären Unbedeutsamkeit unseres Ethnographen erfassen und ob er sie selbst überhaupt ahnt. Dass er diese ganze Sache nämlich einzig um ihrer selbst willen tut und, da er sich natürlich längst mit der Effektarmut seines Orchideenfachs auf die anderen Wissenschaftszweige abgefunden hat, sich deshalb nicht mal als jemand aufspielen kann, der dem Objektsubjekt etwas zurückzugeben in der Lage wäre, verdrängt er häufig. Die Dunkelziffer der alternden Ethnologen zu erforschen, die dem inneren Druck nicht standhalten und, in tiefe Sinnkrisen stürzend, bei ihren weitaus anerkannteren Seelendeuterkollegen auf der Couch landen, wäre in der Tat eine ethnographische Studie wert. Die Multikulti Jugendlichen aus dem Kiez dürfen ihm also ihr Herz und ihre Seele ausschütten und sie müssen dafür nicht einmal glauben, es würde irgendwas bewirken – ist das nicht toll?

Der Ethnologe jedenfalls findet das prima. Deshalb gründet er in seiner freien Zeit, wenn er mal nicht im ›Feld‹ ist, immer neue Zwergblätter in Kleinstauflage mit an einer Hand abzählbaren Abonnenten, um seine Ergebnisse zwar offiziell zu publizieren, dabei aber so papierschonend umweltfreundlich wie möglich vorzugehen. Denn das letzte, was unser Ethnologe verursachen will, ist den Lebensraum der bedrohten Völker und indigenen Kulturen durch Abholzung zu gefährden. Schließlich hat er ein schlechtes Gewissen, da all die Grundlagenarbeit seiner Disziplin - bis auf das nachträglich hinzugefügte bischen Philosophie – zu Lasten dieser Gruppen entstand. Und denen jetzt quasi das Holz unter dem Hintern wegzudrucken mit einem Wust aus Fußnoten, die es wiederum oft nur gibt, weil sich frühere Völkerkundler einst in eben dieses Unterholz begaben, wäre ja schon irgendwie voll eurozentrisch, nicht?

Wenn genug Halbwissen (ethnologisch: Daten) akkumuliert wurde, zieht sich der Ethnologe in seine Schreibstube zurück, trinkt Tee und brütet darüber, wie er aus einem Wald von Aussagen der Jugendlichen, ein kohärentes Aussagengewirr zwirbeln, vor allem aber, wie er dieses Gewirr so aussehen lassen könnte, als würde er damit nicht einfach nur Resteforschung an den von logophilen Islamwissenschaftlern und fälschlich ›Soziologen‹ bezeichneten Stochastikern übersehenen Fremden im eigenen Land betreiben. Außerdem legt er sich seinen aus garantiert Kunstleder gefertigten Bußgürtel an, der ihn vor Ausrutschern in gesellschaftskritische und politische Themen bewahrt. Denn ein Ergänzen des rein Deskriptiven um eine ganzheitliche Perspektive würde mit Rangentzug oder, je nach Schwere des Delikts, gar Ausschluss und, was noch schlimmer wäre, Entzug des Bußgürtels geahndet. Da kennen die nix.

Ist das Pamphlet dann in nächtelanger schweißtreibender Arbeit geboren, kann sich der Ethnologe mit einem Gefühl der Zufriedenheit zurück lehnen und bei einer Tasse nicht fair gehandeltem Kaffee (sieht ja keiner) überlegen, wo sich wohl noch neue Felder auftäten. Denn er ist immer auf der Jagd, rastet nie und gibt erst Ruhe, wenn auch der letzte Imbissbudenbesitzer, Hartz IV Empfänger und Migrationshintergründler ausgewrungen und ohne politische Konsequenzen zum zweiten Mal gläsern gemacht worden sein wird. Er ist der Night Rider der Geisteswissenschaft, der Quincy der Sisyphosempirie; auf der Enterprise der qualitativen Sozialforschung wäre er mindestens Spock und gäbe es ein A-Team der akademischen Randfächer mit unterentwickeltem Potenzial, so wäre er der quirlige Freak mit der Handpuppe, die seine zweite Persönlichkeit darstellte, und beide würden sich bis in alle Ewigkeit gegenseitig analysieren, auswerten und interpretieren, bis keiner mehr wüsste, worum es eigentlich mal ging, und beide schließlich auf chlorfrei gebleichtem Papier mit Feldnotizen darnieder brächen.

Samstag, 14. März 2009

Wer sich auch schon mal gefragt hat,

was man nach einem Soziologiestudium am Besten anfängt, für den hat unsere hoch geschätzte Bundesagentur für Arbeit in ihrer Onlinerubrik abi (01/2009) ein kleines Motivationshäppchen ins Internetz gestellt. Eine vorbildliche Karrierefrau, Silke Weiß-Aziz, zeigt den Schlafmützen an der Universität mal, wie der Hase läuft.

"Wie funktioniert Gesellschaft?", "Wie kann man gesellschaftliche Phänomene erklären?" habe sie sich einst gefragt. Nach einer kurzen Unterbrechung durch ein Studium der Soziologie (mit 28!) habe sie »als Referentin für Aus- und Weiterbildung bei der AUDI AG in Ingolstadt ihren Traumjob gefunden und neben ein paar Antworten viele neue Fragen«.
Die haben wir auch, denn was machen Leute, die sich auf Industriesoziologie spezialisieren, denn so den lieben langen Tag dort? Weiß-Aziz immerhin arbeite an einem »großen Thema«, »der Mitgestaltung der bildungspolitischen Entwicklungen in Deutschland durch Audi.«

Dabei sc
heint die chronologische Abfolge von Idee und Umsetzung eher zweitrangig zu sein, weiß sie doch zu berichten: »Die Europäisierung der Hochschulausbildung hat längst begonnen, jetzt wird die Europäisierung der Berufsausbildung diskutiert.« Man ist eben innovativ in solchen Unternehmen. Und sie gibt schließlich selbst zu, hauptsächlich »neue Fragen« gefunden zu haben.

Da AUDI ein ganz schön großer Laden ist und »Soziologen [...] nicht immer nur ‚klein, klein'« denken, darf es auch ruhig gleich die »Europäisierung« der Bildung sein, wie immer die aussehen mag. Es wird wahrscheinlich ›Europäisch‹ zur Pflichtsprache und Schüler, die aus nur einem Land kommen, müssen mit Zugangsbeschränkungen rechnen.

Die Gute müsse »heute manchmal lachen, wenn sie daran denkt, dass sie früher oft daran gezweifelt hat, mit ihrem Soziologie-Abschluss mal eine Stelle zu bekommen«. Ja, aber nur manchmal. Meist scheint sie sich dann doch immer wieder aufs Neue darüber zu wundern. Immerhin, könne sie »ihr Fachwissen, ihre Menschenkenntnis und alles, was sie selbst im Laufe ihres Berufslebens lernt, täglich in ihren Job einbringen.« Schön, dass es außer Fachwissen und Menschenkenntnis noch andere Dinge bei AUDI zu lernen gibt. Was könnte das sein? Auch hier wird nicht gekleckert: »Wie Gesellschaft funktioniert«, verstehe sie »auch jeden Tag ein bisschen besser«. Mannomann.

Das zwischenzeilige Fazit dieser unverbrämten Schleichwerbung für einen Autohersteller ist demnach eigentlich – mach erst mal irgendwas, steig dann in mittleren Jahren noch mal völlig um, wie auch immer sich das finanzieren mag, und dann komm zu uns. Irgendwo haben wir sicher ein tolles Projekt für Euch, irgendein -ismus oder eine -ierung liegt hier garantiert bis dahin in der Schublade bereit. Darauf Prost!

Sonntag, 22. Februar 2009

Wissenschaftler tanzen ihre Dissertationen

BoingBoing haben was schönes gefunden: Wissenschaftler haben ihre PhD Arbeiten tänzerisch umgesetzt. Klick!

Mittwoch, 14. Januar 2009

C. Doctrows Essays als Open Source Audio



http://www.archive.org/details/CoryDoctorow-Content_268

Dienstag, 16. Dezember 2008

Konpa Kreyol (live)




Keine Ahnung, aus welchem Jahr die Aufnahme ist.

Mittwoch, 10. Dezember 2008

Wenn Sänger kluge Sachen sagen

SPIEGEL ONLINE: Warum ist das Auto so faszinierend?

GWILDIS: Das Auto hat archaische Komponenten. Wenn wir uns zum Beispiel an meinen Wagen stellen, die Haube öffnen und den Motor laufen lassen und einfach nur in den Motorraum schauen, kommen bestimmt innerhalb weniger Minuten einige Leute, meist Männer, hinzu. Und dann starren wir einfach nur und sehen ja eigentlich nichts. Aber wir Neandertaler wissen: Da drinnen ist Feuer.

Freitag, 21. November 2008

Kann ich eigentlich...

... die Bundesregierung fragen, ob sie auch für mich noch ein Rettungspaket übrig hat?

Mittwoch, 22. Oktober 2008

Der SPIEGEL weiß Bescheid-scheid


Singapur ist so dermaßen Stadt, dass nur noch eine Verdopplung des Begriffs es annähernd zu erfassen vermag. "Dermaßen" auch insofern, als dies durch die entsprechende Vermännlichung des Artikels unterstrichen wird. Praktikantenredaktionen oder doch nur Affen an Schreibmaschinen?

Donnerstag, 4. September 2008

Fasten-Tagebuch: 5 Tage Selbstexperiment

Tag 1: Trotz Wecker das Aufstehen zum Fruehstueck vor Sonnenaufgang verschlafen und erst 09.30 aufgewacht. Letzte Mahlzeit 20.00 am Vortag. Shit. Buchlesen wird durch Gedanken an Kekse verunmoeglicht. 14.00, habe Hunger. Soll ich einfach runter gehen und was essen? Nein. Ich bleibe hart. Alle anderen hier in Malaysia ueberleben das ja auch irgendwie jedes Jahr.
Ich schaffe es tatsaechlich bis Sonnenuntergang. Bis dahin habe ich mich an die Leere im Magen gewoehnt und Zeit durch Chatting mit Norumaru gekillt. Dann mit Freunden ueber den Ramadanbasar gegangen und massig Essen gekauft. Zuhause alles auf dem Tisch herrichten und dann reinhauen, sobald es dunkel ist. Oh, ist das alles lecker. Danach so satt, dass ich kaum einschlafen kann.

Tag 2: 03.15 aufgewacht - gestern zuviel kari gegessen. Bin immer noch satt, verdruecke aber vorsichtshalber 2 Brote mit kaya und ein Glas Mangosaft. Bis 10.00 geschlafen, ich steigere mich. Bis jetzt alles super. Das Essen gestern abend hat mich fuer weiteres Fasten motiviert. Fastenbrechen inkl. Besuch eines Ramadanbasars schon geklaert. Sobald man fastet, wollen alle Malaien auf einmal mit einem zu Abend essen. Die missinterpretieren das scheinbar als going native meinerseits. Ist aber nicht. 5 Tage nur und wenns mich extrem duerstet trinke ich einen Schluck Wasser. Man muss ja nicht jeden Quatsch mitmachen.
Abends Schuessel Laksa verdrueckt und sofort muede. Auch chinesischer Ka Feh kriegt mich nicht mehr munter.

Tag 3: 01.30 und 04.45 Brote mit Kaya, Kekse und Saft. Bis 11.30 geratzt! Dafuer leider um 15.00 schon hungrig. Ab ins Cybercafe, Zeit totschlagen. Noch eineinhalb Stunden bis zum Fastenbrechen. Ich habe mir jetzt schon zwei, nein drei Mal bewiesen, dass ich ohne koerperliche Arbeit und mit leichtem Schummeln mitfasten kann. Muss ich jetzt noch morgen und uebermorgen mitmachen? Ja, muss ich. Vielleicht hat sich mein Gewicht ja nach einigen Tagen veraendert. Die meisten sagen, sie nehmen zu. Die fasten aber auch einen ganzen Monat und hauen sich nachts die Baeuche voll. Wie machen das denn die Boxer, wenn sie schnell abnehmen muessen um einen in der naechstkleineren Gewichtsklasse verpruegeln zu duerfen?
In Java war es um die Uhrzeit immer schon dunkel. Unfair das.

Tag 4: Nachts um 02.00 Wassermelone, Kuih, vegetarische "Hackbaellchen" und eine Soja-Suessspeise (3 s!) gegessen. Wecker zum Suhar (Fruehstueck) ausgemacht und weitergeschlafen bis 12.00. Buch gelesen. Restaurantvorschlaege fuer Redaktionsessen mit Kollegen machen Appetit und Hunger. Immerhin schon fast 17.00. Diese letzten zwei Stunden ziehen sich immer ins Endlose. Der Plan, zum Abendessen Ayam Dara zu kaufen, nimmt mundwaessernde Absolutheit an.

Tag 5: Nun ist bereits der letzte Tag meines Mini-Ramadans angebrochen. 03.00 malaiische Kuih gegessen. Bis 13.00 geschlafen, juhuu! Nur noch sechseinhalb Stunden. Zur Feier des Tages werde ich mit einem Freund nach Taman Melawati, Somali-Kueche probieren. Generell fand ich das Fasten an sich leicht. Solange man nicht von morgens an und/oder koerperlich arbeitet, ist es easy, vorausgesetzt man isst nachts. Da malaysische Kueche aber so lecker ist, finde ich fuenf Tage auch genug jetzt.

Donnerstag, 12. Juni 2008

"Anwar Ibrahim 2.01"

Seit Anwar Ibrahim vor kurzem offiziell wieder die politische Bühne betrat, geht auf seinem Blog die Post ab, dass sich deutsche Politiker, die sich beruflich ja eher zaghaft, wenn überhaupt, ins Internet wagen, was abgucken können. Er ist bei MySpace, Facebook und Friendster zu finden, nutzt Videoeinbindung sehr geschickt für Propaganda und lässt seine Anhänger über jeden Eintrag lang und breit diskutieren.
Er hatte bereits unmittelbar gegen Ende seiner 'Verbannung' aus der Politik angekündigt, er wolle sofort wieder in derselben mitmischen und für die nächste Legislaturperiode die Regierung anstreben. Dabei kommen dann so grenzwertig seriöse Aussagen heraus wie "
I will resign if oil prices are not reduced." Als läge das allein in der Hand eines Ministers.
Gleichzeitig dient ihm dieses Medium dazu, sich gezielt vom Image des ursprünglich unter dem Vorwurf der Korruption und Homosexualität Verurteilten und politisch kalt Gestellten zu rehabilitieren.
Dieses Jahr sind glaub ich auch wieder Wahlen, September oder August, da bin ich mal auf die Stimmung vor Ort gespannt.

Sonntag, 8. Juni 2008

Alleingang

Unmittelbar nach dem Sieg der deutschen über die polnische Fußballnationalmannschaft titelt der Spiegel: "Podolski besiegt Polen."
Es ist schon was dran, wenn mancherorts zu lesen ist, die Fußballrethorik nehme zuweilen Züge einer glorifizierenden Kriegsberichterstattung an, ganz zu schweigen davon, dass "Polen" sich in diesem Fall eher selbst "besiegt" hat.

Eine begründet zynische Kritik des 2007 verstorbenen Michael Rudolf an der spätkapitalistischen Allgegenwart des Konsumguts Fußball zur Zeit der WM ist heute wieder aktuell und hier zu lesen.

Freitag, 6. Juni 2008

der shit 2008: extreme carpediem-ing

Ich habe schon mehrmals erlebt, dass Berliner verschiedenen Alters allen Ernstes planten für ein paar Stunden an die Ostsee fahren. Morgens los und am Spätnachmittag zurück. Mit dem Auto oder auch per Bahn. Zu dritt. Am Wochenende. Um sich „mal an den Strand zu legen“. Die Option, bei der Gelegenheit einfach mit Schlafsack oder Zelt für zwei Tage hinzufahren, überhaupt nicht diskutiert wurde. Ich lehne Einladungen zum Mitfahren immer ab.

Bin ich so Leben 1.0, dass ich nicht mehr mitkriege, wenn Reisen, die ihren Aufwand klassischerweise noch wert sind, total out werden? Ist da jetzt der Weg das Ziel oder welche Binsenweisheit auch immer zutreffen mag? Ausflüge ins Umland für einige Stunden machen ja noch Sinn, aber sowas?

Stundenlang sitzen, im heißen Auto brüten um sich mal an den Strand zu legen, vielleicht ist dies das neue Dandytum - mit der kostbaren Freizeit möglichst so umzugehen, dass immer noch der Stress die Erholung überwiegt, mal so richtig irrational einen draufzumachen. Saufen und feiern sind aus medizinischer Sicht auch irrational, aber das kann ja jeder. Ein Auto mieten und für einen Kurzaufenthalt von Berlin nach Rügen oder Usedom zu düsen nicht.

Die Spritpreise können noch gar nicht so hoch sein, wenn auch diesen Sommer wieder StudentInnen für ein paar Minuten Strand (den es in Berlin natürlich nicht gibt, niemals, nein, auch nicht an diversen Badeseen...) vier bis sechs Stunden Unterwegsigkeit auf sich nehmen. Allein der Gedanke, in einigen Stunden bereits wieder auf dem Rückweg zu sein, würde bei mir jede Ahnung eines schemenhaften Gedankens an so etwas wie Spaß oder Erholung im noch nicht mal als solchen zu bezeichnenden Keim abtöten.

Vielleicht sehe ich das ja auch zu engstirnig, vielleicht kruhsen diese Leute ja einfach nur gerne durch Mecklenburg-Vorpommern und wollen das aber nicht direkt zugeben.

Ich hätte noch Vorschläge wie man das Ganze noch kräsier und kuhler und ausgeflippter gestalten könnte. Einfach ein Auto mieten, hinfahren und sofort wieder zurückfahren. Drei Autos mieten und dann aber die Bahn nehmen. Oder mit dem Flieger nach Schweden, dann die Fähre nach Swinouszie, dann über die Grenze nach Ahlbeck, ein Foto vom Strand machen und auf dem gleichen Weg wieder zurück.

Man könnte meinen, es werde die Mentalität Praktikum der gleichnamigen Generation vom Berufs-ins Privatleben übertragen – wenn Arbeit schon umsonst ist und mehr investiert wird als man am Ende rausbekommt, wieso das nicht auch anderswo so handhaben. Für mehr Unsinn in der Alltagsplanung und so.